Angelika Boeck, München
Als Künstlerin beschäftige ich mich mit dialogischen Strukturen und Versuchsanordnungen zur menschlichen Wahrnehmung. Im Besonderen untersuche ich die individuellen Muster der visuellen Wahrnehmung sowie die kulturspezifische Dimension von Selbst-und Fremdwahrnehmung.
STILLEPOST entstand 1999 über einer konkreten Frage: würde (m)ein europäisches, geschnitztes Konterfei zunehmend afrikanische Gesichtszüge aufweisen, wenn es mehrere afrikanische Bildhauer nacheinander kopierten?
Für ein europäisches Auge ist die Metamorphose offensichtlich: Die Abbilder entfernen sich immer weiter vom westlichen Vorbild, sehen immer afrikanischer aus.
Die Installation besteht aus fünf hölzernen Porträtskulpturen und fünf auf Stoff gedruckten Porträtfotos. Jeder Büste hängt ein Foto gegenüber, das den für sie verantwortlichen Bildhauer zeigt. Die Skulpturen verdanken ihre Entstehung dem Prinzip der Stillen Post.
Die traditionellen Rollen von Künstlerinnen und Künstlern einerseits und Modell andererseits verkehren und verschränken sich hier. Als Initiatorin bin ich sowohl Bildgegenstand als auch Vermittlerin zwischen verschiedenen Parteien und die afrikanischen Bildhauer sind nicht nur Darstellende, sondern auch Dargestellte.
Weitere Informationen und Abbildungen unter: www.angelika-boeck.de
Zur Person
Angelika Böck. Studium der Innenarchitektur an der Akademie der Bildenden Künste, München; Studium der Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste, München; 1998 Diplom als Meisterschülerin bei Prof. James Reineking, zahlreiche Stipendien und Ausstellungen.