Cécile Cuny (CMS; Berlin)

Die Fotografie als ethnographische Forschungsmethode : das Beispiel des Porträts

Im Rahmen einer ethnographischen Untersuchung zu bürgerschaftlichem Engagement in Marzahn, einem Großsiedlungsgebiet Ostberlins, ist eine Serie von 5 Porträts entstanden, die für die Analyse der Inszenierungsstrategien 5 „engagierten Bewohnern“ in der Arbeit benutzt worden sind.
In dem Beitrag wird es einerseits darum gehen, die 5 Porträts im Rahmen der Theorie der Interaktion von E. Goffman zu analysieren. Die zentrale Hypothese lautet: die Haltung der fotografierten Person vor dem Fotoapparat (die „Fassade“ der Selbstsinzenierung) ist als Effekt der Definition der Situation (in Vehältnis zu der Interpretation der sozialen Indizien, die die „Fassade“ des Fotografen ausstrahlen läßt), ihrer spezifischen Einsätze für die fotografierte Person und der Fähigkeiten dieser, ihre eigene „Fassade“ zu gestalten und zu kontrollieren, zu verstehen.
Andererseits wird man auch diese Bilder reflexiv betrachten: die Form der Bilder (Distanz, Rahmen, Farbe, Film, unsw.), die von der Fotografin/Forscherin bestimmt wird, zeigt die Art und Weise, wie sich die Forscherin sein Forschungsobjekt vorstellt. In diesem Zusammenhang kann das fotografische Bild auch als bestimmtes historisches Bild der Wissenschaft analysiert werden und als Dokument für die Transfers zwischen den fotografischen und wissenschaftlichen Felder stehen.

Kontakt:

Cécile Cuny, Dipl. Fotografin, Doktorandin der Sozialwissenschaften
Dt-fr. Forschungszentrum für Sozialwissenschaften (Centre Marc Bloch), Schiffbauerdamm 19, D- 10117 Berlin
Tel: 030/ 93 66 55 49
cecile.cuny@cmb.hu-berlin.de