Cordula Gdaniec (HU Berlin)
Mein Beitrag ist ein Video, das im Rahmen des DFG-Forschungsprojekts Urbane Kultur und ethnische Repräsentation – Berlin und Moskau auf dem Weg zur „world city“? produziert wurde. Im Anschluss an die Videopräsentation würde ich gern ein kurzes Papier vorstellen, das den Kontext des Videos erläutert.
Innerhalb unseres Projekts haben wir die Rolle von Ethnizität in der zeitgenössischen Kunst in Berlin und in Moskau untersucht: Inwieweit stellt sie symbolisches, kulturelles Kapital für die Künstler oder für die Stadt dar und wie viel Konfliktpotential generiert sie? In Moskau habe ich die Problematik der multikulturellen Stadt, bzw. des Spannungsfeldes zwischen real existierender Vielfalt und einer offiziellen Rhetorik von Vielfalt auf der einen Seite und wachsendem Rassismus und einer Russifizierung auf der anderen Seite, auch im Wirkungsbereich von Künstlern untersucht. Daher lag es thematisch und formell nahe, die Ergebnisse auch in einer künstlerischen, bzw. visuellen Form aufzubereiten. Nicht zuletzt um die Künstler, die diese Thematik in ihren Werken bearbeiten, selbst sprechen zu lassen. Methodologisch stellt das Video eine Erweiterung der Feldforschung dar, die aus Interviews und teilnehmender Beobachtung bestand, um u.a. den stadtethnologischen Bezug der Forschung zu unterstreichen.
In Russland machen bisher außer Fotografen keine Künstler die Stadt selbst zum Thema. Einige Künstler (-gruppen) haben Performances in der Stadt veranstaltet, die dadurch zwar den jeweiligen Ort / Raum thematisieren, aber eher als Kulisse benutzen. Themen wie Konsumverhalten oder menschliche Wahrnehmungen sind dabei die eigentlichen Fragen, die verhandelt werden. Für die stadtanthropologische Untersuchung Moskaus sind diese Arbeiten wiederum verwertbare Textbausteine, v.a. wenn die Performances auf Video festgehalten wurden (einige sind in diesem Video verwendet worden). Die Stadt setzt sich nicht nur aus einzelnen Teilen, sondern auch aus verschiedenen Texten zusammen. So bilden die Narrative der vier interviewten KünstlerInnen solche Texte, die sich einerseits auf die Stadt beziehen, die sie auf Nachfrage entweder gar nicht als Ganzes sehen, oder in einer einzelnen Skulptur ausgedrückt finden, andererseits auf ihre persönlichen Erfahrungen als „Nicht-Russen“ in der russländischen, postsowjetischen Hauptstadt.
Zur Person
Cordula Gdaniec ist seit Februar 2003 Mitarbeiterin im DFG-Projekt Urbane Kultur und ethnische Repräsentation – Berlin und Moskau auf dem Weg zur „world city“? am Institut für Europäische Ethnologie der Humboldt Universität zu Berlin. Sie ist für den Moskau-Teil des Projekts zuständig und verfügt über langjährige Erfahrung in den Bereichen postsowjetische urbane Transformation und „creative industries“.