Bina Elisabeth Mohn (Berlin)

Die Kunst des Dichten Zeigens. Aus der Praxis kamera-ethnografischer Blickentwürfe
Vortrag / Videopräsentation

Da man seiner Autorschaft nicht entgehen könne, plädiert Clifford Geertz dafür, dass Ethnografie „Kunst sei – und nicht eine untergeordnete Leistung wie Sachkenntnis oder eine höhere wie Erleuchtung“ (Geertz 1990: 135). Mit dem Konzept der Kamera-Ethnografie plädiere ich für ein kreatives Verständnis von Ethnografie im Sinne des Hervorbringens dichter Beschreibungen und dichten Zeigens.
Bei der Kamera-Ethnografie wird nicht erst ethnografisch geforscht und dann künstlerisch visualisiert, sondern Kamera-Ethnografie ist selbst ein dynamisches Verfahren, bei dem sich die Paradoxien von Nicht-Wissen und Wissen, von Dokumentation und Visualisierung, von Wahrnehmung und Vorstellung permanent auf produktive Weise ineinander verwickeln.

Die Blick- und Bildentwürfe filmender Ethnografen entstehen in der Situation, beim teilnehmenden Beobachten, sind aber gleichzeitig ebenso "hausgemacht", wie es Geertz für das ethnografische Beschreiben postuliert, bei dem Beschreibungen der Beschreibenden entstehen! Diese lapidare Feststellung birgt provozierende Konsequenzen – gerade auch für eine Kamera-Ethnografie. Als ein "bildendes" Forschen taugt Kamera-Ethnografie dazu, das Sehen voranzutreiben und dabei das Zeigen überhaupt erst zu ermöglichen. Dies wird an eigenen Video-Beispielen aus der ethnografischen Schul- und Unterrichtsforschung vorgeführt.
Diese Präsentation liefert einen Beitrag zu der Frage: Wie verändert sich ethnografisches Wissen durch Kameragebrauch und Videoschnitt? Die Frage nach der Visualisierung wird dabei nicht erst auf der Präsentationsebene angesetzt sondern bereits auf der Ebene der "Formulierung" ethnografischen Wissens im Forschungsprozess selbst verortet.

Kontakt:

Dr. Elisabeth Bina Mohn, Zinzendorfstraße 4, 10555 Berlin, Telefon 030-39886111, kontakt@binamohn.de
www.elisabethmohn.de

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