Abstract – Tagung Kunst und Ethnographie, Berlin 17./18.11.2006

Christine Nippe (HU Berlin)

Doing research inbetween – eine Ethnographie im Kunstbetrieb.
Reflexionen zu Theorien und  Methoden zwischen Kulturwissenschaften, Ethnologie und Kunstgeschichte

Forschung
Mein Dissertationsvorhaben mit dem Titel „Kunst und Stadt. Bildende Künstler in Berlin und New York: zum symbolischen Kapital von Metropolen“ ist zwischen verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen und ihren Traditionen verortet. Ich frage danach wie im Kunstbetrieb die Bedingungen der Metropolen Berlin und New York durch bildende Künstler wahrgenommen, angeeignet und hervorgebracht werden. Ein weiterer Fokus meiner ethnographischen Forschung ist, in welcher Beziehung das symbolische Kapital des Künstlers zum städtischen symbolischen Kapital steht.

Mein Fokus für die Tagung
Während in der Kunstgeschichte Reflexionen zu Raum, der Einfluss von Netzwerken und Machtrelationen häufig unberücksichtigt bleiben, gibt es nur wenig ethnologische und kulturwissenschaftliche Arbeiten die auf die Ästhetik oder Materialität des Kunstwerkes ebenso wie auf wirkmächtige visuelle Codes und Regimes eingehen.
Wie kann man diese Methoden und Ansätze aus den unterschiedlichen Fächertraditionen in einer sinnvollen Weise miteinander verbinden?

In meinem Vortrag möchte ich exemplarisch auf eine künstlerische Arbeit, die sich mit dem Thema Stadt beschäftigt, eingehen und dabei die Zugänge der beiden Fächer diskutieren und zueinander in Beziehung setzen. Denkbar wäre z.B. die Arbeiten von Ellen Harvey (The New York Beautification Project 2001), Tacita Deans Berlin-Serie (Die Regimentstochter 2005, Pie 2003, Palast 2004, Fernsehturm 2001) oder Zhang Dali (Demolitan and Dialoge). Diese Arbeiten setzen sich mit urbanem Wandel auseinander. Dabei möchte ich die künstlerischen Zugänge zur Stadt sowohl in Hinblick auf lokale wie transnationale Erfahrungen und Themenschwerpunkte, die die Künstler in einer Doppelstrategie setzen, diskutieren. Die Ästhetik und Materialwahl (Fotografie, Graffiti, Video) sind ebenfalls wichtige Faktoren für die Wirkung und Rezeption der Arbeiten.

Theoretischer Hintergrund könnten u.a. der Artikel von Albertsen et al. (2004). “Artworks' Network. Field, System or Mediators?” sowie der Vortrag von Wu Hung „De-flattening Contemporary Global Art“ im Rahmen des MoMA-Symposiums „worldart I artworld. Changing Perspectives on Modern and Contemporary Art” (April 2006) sein. Es wird die Bourdieusche Feldtheorie in Hinblick auf die Kontextualisierung des Kunstwerkes, die Ressourcenausstattung und die sozialen Relationen im Feld aufgegriffen. Der Actor Network Ansatz von Latour und Hennion geht auf die Materialität, die Produktionsspuren und die Ästhetik des Kunstwerkes ein während der Artikel von Wu Hung auf die Problematiken der Kontextualisierung von lokal produzierten Kunstwerken in einem globalisierten Kunstbetrieb hinweist. Es werden kunstgeschichtliche und ethnologische Methoden und Ansätze diskutiert und fruchtbar gemacht.

Zur Person
Christine Nippe ist Doktorandin am Institut für Europäische Ethnologie, Humboldt Universität zu Berlin und Visiting Scholar, Department of Art History, Columbia University, New York. Assoziiert am Center for Metropolitan Studies - Transatlantisches Graduiertenkolleg Berlin-New York und EU-Fellow im Future-Programm Zukunft der Europäischen Stadt der Bauhaus Universität Weimar.

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